Der BFC Viktoria wurde in Wismar seiner Favoritenrolle mehr als gerecht und zeigte, zumindest an diesem Nachmittag, dass die Mannschaft zu einem der heißen Aufstiegsanwärter in die Regionalliga zählt. Das Team von Trainer Thomas Herbst dominierte vor allem nach dem Ausgleichstreffer klar und hätte die Partie noch deutlich höher gewinnen müssen.
Clemens Lange erzielte per Kopf die 1:0-Führung
Dabei hatte es zur Halbzeit noch sehr gut für die Hausherren ausgesehen, denn nach einem Freistoß von der linken Seite durch Alexander Bernwald war erneut Clemens Lange per Kopf erfolgreich und erzielte mit seinem sechsten Tor für die Hansestädter die 1:0-Pausenführung. Sicher, die Führung war etwas glücklich, denn die Hauptstädter hatten die besseren Einschussmöglichleiten. Aus einer sehr sicheren Abwehr heraus spielten sie die Bälle immer auf die wieselflinken Angreifer Camara, Ergirdi und Mentes, die sich geschickt freiliefen und nur schwer zu stoppen waren. Zudem vergaben Camara und Ergirdi sehr gute Einschussmöglichkeiten oder scheiterten am gut aufgelegten Maik Sadler im Ankertor.
In der Halbzeitpause forderte Ankertrainer Timo Lange sein Team auf, ebenso engagiert aufzutreten wie in der ersten Halbzeit. Doch das Vorhaben misslang gründlich. Die Berliner dominierten jetzt immer mehr und profitierten zudem von zunehmenden Ungenauigkeiten im Ankerspiel. Die Zweikämpfe wurden nicht mehr richtig angenommen, Fehlabspiele häuften sich und die Elf von Trainer Thomas Herbst wurde immer dominanter.
Nachdem Ergirdi in der 51. Minute einen Freistoß aus 17 Metern noch über das Wismarer Tor geschossen hatte, bekamen die Gäste Schützenhilfe in Form eines Foulelfmeters, verursacht durch Sebastian Schiewe. Antunovic ließ sich die Chance nicht entgehen und verwandelte sicher. Jetzt wirkten die Gastgeber noch verunsicherter und ließen der Viktoria noch mehr Spielraum. Nach einer Ecke von der rechten Seite scheiterte Norbert Lemcke noch an Maik Sadler im Ankertor, doch Camara schaltete am schnellsten und versenkte die Kugel zur Führung.
Mit der Einwechslung von Marcel Heine und Kevin Rosinski kam noch einmal etwas Schwung in den Angriff der Platzherren. Und in der 77. Minute wollten die Ankerspieler dann auch schon jubeln. Heine flankte von der Außenlinie nach innen, Kevin Rosinski spielte in die Mitte zu Clemens Lange und dessen Schuss zischte nur um Zentimeter am BFC-Tor ins Aus. Der Ausgleich zu diesem Zeitpunkt - wer weiß, wie das Spiel weiter verlaufen wäre. So konterten die Berliner die Hintermannschaft des FC Anker noch zweimal eiskalt aus und feierten einen verdienten 4:1-Auswärtssieg.
Völlig überflüssig dann die letzte Szene von Schiewe, denn nach dem 1:4 stieg er noch einmal zu ungestüm gegen seinen Berliner Gegenspieler ein und sah die Ampelkarte. Er fehlt seiner Mannschaft so beim wichtigen Auswärtsspiel am Freitagabend in Malchow.
„Ich bin enttäuscht über diesen Spielausgang. Nach dem Ausgleich hat sich meine Mannschaft praktisch auskontern lassen und den Gegner durch eigene Fehler im Spielaufbau und in der Abwehrarbeit stark gemacht. Wir wussten, dass die Hauptstädter eine sehr starke Mannschaft sind und die Partie nur mit kämpferischen Einsatz und viel Engagement bespielt werden kann. Das ist uns spätestens nach dem Ausgleich nicht mehr gelungen“, so Ankertrainer Timo Lage auf der Pressekonferenz nach dem Spiel. Entgegen früheren Spielen war diese Pressekonferenz diesmal nur sehr spärlich besucht, denn nach zuletzt drei Spielen ohne Niederlage (ein Sieg und zwei Unentschieden) verpassten die Gastgeber auch im dritten Heimspiel den ersten Sieg.
Text: Bernhard Knothe
Foto: Andreas Knothe